eine Reise durch Australien

 

Motorradreise

vom 11.10.2010 bis 16.12.2010

Reisebericht aus Sicht eines
Teilnehmers

TOUR-BEGINN: DARWIN-MELBOURNE

Teilnehmer

Helge Backlund

Schwede.
Bemerkung: penetrantes Einzelkindverhalten

Klaus Czimmek

Hesse, Grenzgänger zur RPF.
Bemerkung: nervensägender Spaßvogel, umgänglich, Einzelkind-verhalten.

Arno Dahms

Eberholz 24, 90602 Pyrbaum/Bayern.
Bemerkung: wie  vorherige Tour

Daniel Leugwenus

Nordostwestfale, Tourguide beim Motorrad Action-Team.
Bemerkung: offensichtlich zum “Paulus” geläutert, hat Übersicht und Kompetenz für Mopedreisen und  ist Einzelkindversteher

Isabell Leugwenus

Brasilianerin und Daniels Ehefrau.
Bemerkung: unbeschreiblich, jedoch liebenswert

Volker Öhrlich

Schwabe.
Bemerkung: meinungsfreier, umgänglicher und friedlicher Typ mit latentem Einzelkindverhalten

Werner Zöllner

Unterfranke.
Bemerkung: wahrer Freund mit Teamgeist, mit manchmal bizarren Denkweisen.

Aus unerklärlichen Gründen wurde eine Einschätzung der Reiseleitung unterlassen.


Sonntag 21.11.

Um 09:00 Uhr treffen wir im Hotel „Travel-Lodge“ auf die neuen Tour-Teilnehmer. Arrangiert wurde die Tour über das Motorrad Action-Team der Zeitschrift Motorrad. Wir besprechen zuerst die Formalitäten. Gogo gibt Tour-und Geschäftsbedingungen bekannt. Werners Gepäck ist beim umgebuchten Flug der Qantas in Singapur hängen geblieben. Er hat noch viele Scherereien mit der Airlines.

Die anschließende Sightseeing-Tour beginnt gegen 12:00 Uhr und führt zu einer Vorführung in einer Crokodil-Farm am Stadtrand. Gegen 16:00 Uhr werden am Campingplatz die Motorräder ausgesucht, die die Teilnehmer gleich mit zum Hotel nehmen.

Werner versucht anschließend nochmals, am Flughafen bezüglich seines Gepäcks etwas zu unternehmen – erfolglos. Toni und ich begleiten ihn.

Gegen 18:00 Uhr ist eine kleine Stadtrundfahrt mit den Toyotas geplant mit anschließendem Essen in der Fishermans Wharf im Restaurant "Seafood on Cullen" bei Sonnenuntergang, direkt am Strand.

Bevor wir das Lokal betreten, gibt es am Strand ein eiskaltes VB aus Gogos Fundus im Landkruiser. Das Seafood-Essen (Pauschale für 38.50$ Buffet) ist wie immer hervorragend.

Die Teilnehmer werden anschließend an ihrem Hotel abgesetzt (alles Service des Hauses S.C.A.)


Montag 22.11

Um 09:00 Uhr erreichen Stephan, Toni und ich die Travel-Lodge mit den bereits fertig aufgerüsteten zwei Jeeps. Kurz nach 10:00 Uhr haben die Teilnehmer noch im Campingladen um die Ecke das notwendige Zubehör (Taschenlampen, Fliegennetze usw.) besorgt und los geht’s. Die „Kradler“ folgen uns bis Palmerston (Stadtteil) und klinken sich dann aus in Richtung Ziel im Litchfield-Nationalpark. Es heißt Banyan-Tree-Roadhouse und wird von Elke und Harald (deutsche Auswanderer aus Berlin) betrieben.

Toni und ich begleiten Stephan zum Einkaufen beim Cols (da gibt es alles) in Palmerston. Die Spezialität Camel-T-Bone-Steaks, die für die Feldküche am Abend geplant war, fällt leider aus. Der fliegende Fleisch-Händler ist heute mit seinem Stand nicht am üblichem Ort an der Ausfallstraße. Die Alternative: Wasserbüffel-Bratwürste nimmt Gogo dann im Einkaufszentrum mit. Er wird von ISABELL begleitet, die aufgrund der extremen Witterungsbedingungen (39°C im Schatten bei geschätzten 95% Luftfeuchte) heute noch nicht bei Daniel auf den Sozius steigen will. Gogo beäugt seine hübsche Beifahrerin mit gelinde gesagt sehr kritischen Blicken. Die Stellung seiner senkrecht nach unten weisenden Mundwinkel verraten seine Begeisterung. Aber er ist ja als „Frauenversteher“ sattsam bekannt.

Nach einer ganz leichten Schotter-Autobahn machen wir Rast bei den Wangi-Falls, zwei km von der Strecke im NP entfernt. Da passiert das schreckliche: Claus möchte aus dem versperrten Toyota von Toni noch e twas von dem Klamotten holen. Er reißt etwas ungestüm an der Hintertür und schon ragt der Türgriff samt Blende ca. 2 cm aus der Karosserie. Als Gogo davon erfährt, passiert das übliche mit seinem Hals. Er zeigt, wie dick dieser ist. Mit Schaum vor dem Mund zitiert er Daniel, den Mann vom Action-Team zu sich:

„Wos dät’sdna du do mach’n, wenn du da Veronstalder vo su anner Tuur wärst und aaner vo deine Kund’n reißad dier mundwillich a Audodier raus? Sodder, sodder, maul, schimpf“. Daniel: „Wenn das ein Haftpflichtfall ist, sag’s – wenn nicht, dann schluck’s runter!“ Die Wogen werden auf dem Wasserfall-Walk geglättet.

Der Wasserfall ist sehenswert und liegt in urwaldähnlicher Buschlandschaft mit üppiger Vegetation. Die Pause hat allerdings die Schweißdrüsen noch härter beansprucht als die bisherige Anfahrt.

Bei der Weiterfahrt gibt es einen erneuten Stopp in der Tabletop Range. Dort bietet ein kleiner Fluss in Kaskaden und vielen aus dem Fels gewaschenen Becken eine willkommene Abkühlung für alle.

Während Daniel und Klaus einen weiteren Wasserfall entlang der Strecke aufsuchen, bleiben die beiden Basisfahrzeuge und der an weiteren Wasserfällen nicht mehr interessierte Volker noch für einen kurzen Fotostopp an den Magic Termite Mounds stehen. Hier kann man die verschieden Bauweisen der drei existierenden Termiten-Arten betrachten. Sehr interessant die Erläuterungen an den Tafeln beim Parkplatz.

Eine Viertelstunde später erreichen wir das Roadhouse Banyan Tree kurz vor dem Ort Batchelor. Die Besitzer Elke und Harald freuen sich schon – sie haben uns erwartet. Es sind Auswanderer mit einer bewegten Australien-Geschichte.

Die Kängurus sind hier nicht scheu. Man konnte den ganzen Abend welche beobachten.

Das Abendessen (Büffelwürste, Salat, Nachtisch) verläuft gemütlich. Die Teilnehmer geben sich angenehm und umgänglich. Die Unterhaltung ist ebenso. Ende gegen 23:00 Uhr.

Der Campingplatz ist nicht sehr komfortabel, weshalb Toni, Gogo und ich eine Dusche mit dem Gartenschlauch vorziehen. Leider haben das auch die Mossis mitbekommen.


 

Dienstag 23.11

Pressluft-Hammergeräusch wäre Musik in meinen Ohren im Gegensatz zu Tonis Schnarchen. Die Mischung aus gurgeln, Röcheln, grunzen, kotzen geht durch Mark und Bein. Deshalb um 5:30 Uhr nichts als Aufstehen und Weg vom Zelt.

Ich aktualisiere den Reisebericht. Ferner informiere ich mich über die Namensgebung des Roadhouses Banyan Tree. Banyan Tree ist eine sogenannte Würgefeige. Die Pflanze geht in einer Astgabel als Samen, den ein Vogel dort mit seiner Kacke hinterlassen hat, auf und durchbohrt den Wirts-Baum im Laufe der Zeit. Der vorhandene Baum wird dann derart geschwächt, dass er langsam abstirbt und nur noch die Würgefeige lebt. Am Campground finde ich einen alten Baum, den die Würgefeige gekillt hat und auch einen anderen Baum, der erst seit ein paar Jahren von der Würgefeige angezapft ist. Auf Dauer aber gibt es für den ursprünglichen Baum keine Überlebenschance.

Noch was zum Klima vor Ort: unerträgliche 35-40 Grad und 90-100% Luftfeuchte. Dazu die Drecks-Mossis und Sandflöhe. Meine Beine und Unterarme gleichen einem Streuselkuchen. Im Tropenklima heilen die Stiche nicht ab. Es juckt wie die Pest! Die Einstichstellen sind offen und nässen.

Weiter geht es gegen 10:00 Uhr, nachdem wir bei Isabell den „Zimmerservice“ verrichtet haben. Toni und ich sind zu Pagen avanciert. Isabell ist noch nicht in Stimmung, aufs Moped zu steigen. Deshalb muss Gogo wieder als Taxifahrer herhalten. Über den Zustand seines Halses kann ich nichts sagen – ich sitze ja bei Toni im Toyota.

Nach Kurvenreicher Motorradstrecke jenseits das Stuart-Highways erreichen wir diesen wieder beim Hayes Creek Roadhouse. Dann kommen wir gegen Mittag nach Pine Creek, wo wir bei Mayses Bistro einen Imbiss einnehmen. Ein Hamburger „The Lot“ für 8.50 $ ist auch für einen guten Esser fast nicht zu bezwingen.

 

Nachdem Gogo im Supermarkt in dem kleinen Kaff den Einkauf für den Nachmittag bei den Edith Falls geplante Lunch getätigt hat, übernimmt Bella mal flott  die Reiseleitung und sagt das geplante Mahl am Upper-Pool des Edith-River kurzfristig ab. Gogo ist sichtlich irritiert. Seinen Hals nehme ich aus Gründen des Taktgefühls nicht in Augenschein.

Zwischen Pine Creek und den Edith Falls weht ein verdammt heißer Wind. Mein Thermometer misst 41,3°C. Das Wasser im See unter dem Edith Fall bringt keine Abkühlung. Es ist viel zu warm.

Ab heute ist der Stuart-Highway wieder gesäumt mit Känguru-Kadavern. Es sind enorm viele.

Auf dem Weg weiter nach Kathrine fängt sich der Mann aus dem Wasa-Land aufgrund säumiger Abfahrt einen Regenschauer ein. Zudem nimmt er sich unterwegs eine Outback-Auszeit und ist kurzfristig verschollen. Daniel ist darüber not amused.

Volker nordet ungewollt auf dem Highway ein Känguru mit dem Hinterrad ein. Durch die nun verliehene neue Laufrichtung partizipiert das Tier,  da es sonst von dem nachfolgenden Werner  eine Tieferlegung bekommen hätte; ich meine damit  natürlich, dass es ins Grab gegangen wäre, wenn es die Laufrichtung  beibehalten hätte.

Nach dem guten Süßwasserfisch zum Abendessen, bei dem der Schwede versehentlich ein Kompliment an die Küche macht, werden wissenschaftliche Gespräche über die Relativitätstheorie geführt. An dem Gespräch nehmen Dr. Gordons und Herr Jim Beam maßgeblich teil, weshalb es auch bis halb zwei dauert.


Mittwoch 24.11

Mit leicht dickem Kopf erscheint Daniel als Letzter an der Frühstückstafel. Er dürfte allerdings nicht der Einzige sein, dem es etwas schwummrig ist. Wie auch immer; es müssen 360 km heruntergespult werden bis Daly Waters. Nach dem Tankstopp in Mataranka bringt der Besuch der dortigen Thermen eine etwas bessere Abkühlung als die Brühe gestern bei den Edith Falls.

Das Hotel „Pink Panther“ in Larymah sowie der kleine Privatzoo hier sind urig und sehenswert. Die dürre, verschrumpelte Chefin ist für sich alleine eine Attraktion.

Nach dem Trinkstopp sehen wir linker Hand große Flächen abgebrannten Busches. Die Buschlandschaft geht langsam in trockene Savanne über. Es weht wieder ein 43°C heißer Wind. In der Sonne messe ich 52°C.

Gegen 17:00 Uhr Ankunft in Daly Waters. Ein Pflichtbier im alten Pub, erbaut 1930 und rustikal nach AUSSIE-Art eingerichtet sowie original belassen, ist selbstverständlich. Als ich die Kneipe vor 9 Jahren zum ersten Mal betrat, fand ich sie genau so vor wie heute. Die einzige Veränderung sind einige hinzugekommene Erinnerungs-Souveniers von Gästen in Form von Wappen, Emblemen, Wimpeln, Fahnen, Capis, Geldscheinen aus allen Ländern der Erde. Ebenso hat sich die Galerie von Büstenhaltern und Unterhosen erweitert, die über der Theke hängt.

Diese Wäsche wird als Pfand sichergestellt bei Leuten, die aufgrund von Fehlverhalten in der Kneipe die verhängte Strafe einer Lokalrunde nicht zahlen möchten. Die Ampel vor dem Eingang des Lokals steht immer auf Rot, damit niemand am Lokal vorbeifährt, ohne anzuhalten.

Bevor es das Hühnchen mit Gnoci in Tomaten-Soße zum Abendessen gibt, kommt nochmals kurze Hektik auf, weil ein Gewittersturm näher kommt und es zu regnen beginnt. Wir bauen zum Schutz einen Pavillon über die Feldküche. Überflüssig – das Unwetter dreht wieder ab.

Derweil hilft Bella beim Knoblauchschneiden. Für Sie ist das in Ermangelung einer Knoblauchpresse eine echte Herausforderung. Dafür lässt sie bei der Berechnung der Menge an Fleisch und Zutaten ihre Erfahrung spielen. Gogo nimmt ihre Ratschläge euphorisch auf und ist so etwas von dankbar. Es war eine unbezahlbare Hilfe! Ich halte mich da raus, denn meine Mengenlehre ist in diesem Fall eher an der von Gogo angelehnt und wir würden vermutlich noch in Melbourne an den restlichen Gnoci mampfen.

Eine kurze Rücksprache mit Dr. Gordons und Mr. Grants beschließt heute den Tag bereits kurz nach 22.00 Uhr. Daniel hat sich den Spüldienst dahin gehend leicht gemacht, dass er das Geschirr zur Kneipe trägt und es gegen eine geringe Gebühr von 2 Bier (14$) in der dortigen Spülmaschine waschen lässt.


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Arno