eine Reise durch Australien

 

Motorradreise

vom 11.10.2010 bis 16.12.2010

Reisebericht aus Sicht eines
Teilnehmers

Sonntag 11.12

Wir nehmen den Landcruiser von Toni und packen das Action-Team hinein. Auf dem Victoria-Market spalten wir uns in Neigungsgruppen auf. Aber es neigt sich fast jeder in eine andere Richtung.

So bleiben nur Toni, Helge und ich bei der gleichen Auffassung und ziehen eine Stadtrundfahrt mit der kostenlosen historischen Touristen-Trambahn, Linie 35 - City Cirkle, durch.

Ein interessierter Tourist, wie das Bild zeigt, vermutlich adeligen Blutes, verfolgt vermutlich schon seit Stunden aufmerksam die Informationen, die über Lautsprecher durchgegeben werden. Das hat ihn wahrscheinlich derart angestrengt, dass er nach diesem Stress friedlich in seinem Sitz entschlafen ist. Denkbar wäre natürlich auch, dass dieser Mensch eine Stadtrundfahrt bei Nacht gebucht hatte.

Wir halten uns rund zweieinhalb Stunden in der City auf, die außer ein paar schöner historischer Bauten sowie einer nicht überdimensionierten Skyline wenig Spektakuläres zu bieten hat.

Abgesehen von der Begegnung mit dem übermotivierten Stadtbesichtiger genießen wir drei die schöne Rundfahrt, bei der man je nach Belieben an den Haltestellen ein- und aussteigen kann, um Sehenswürdigkeiten zu Betrachten.

Nach stressfreien Ausblicken über den Hafen und einschlägigen Gebäuden mit politischer bzw. optischer Bedeutung kehren wir zum Victoria-Market zurück.

Toni, Helge und ich besuchen die im ersten Stock gelegene Bar und Bistro, im Gebäude neben dem Markt, von wo aus man direkt auf die Budenstadt herunterschauen kann. Auf dem Markt habe ich vorher noch ein Paar Souvenirs eingekauft; natürlich auch nochmals ein halbes Dutzend Käppis mit versch. australischen Motiven. Zugegeben:  ich habe einen Mützentick!  Aber ich verliere ja auch genug von denen.

Helge, der Vorzeigemensch für Gemeinschaftssinn, Kameradschaft und Hilfsbereitschaft bekommt für ganz kurze Zeit einen Anfall an Einsichtigkeit und gesteht in den letzten Zügen der Reise, dass er nicht immer mit mehreren Menschen gleichzeitig umgehen kann und „vielleicht auch ein bisschen egoistisch sein kann“. Aber das sei eben seine Biografie! Diese Unterredung strotzte geradezu von Selbsterkenntnis.

Jetzt jedoch mal Spaß beiseite. Helge war mit kleinen Abstrichen ein sehr angenehmer Wegbegleiter und wir haben uns weitestgehend auch gut verstanden. Deshalb war die kleine abschließende Unterhaltung in der Kneipe zwischen Toni, Helge und mir eine sehr positive Erfahrung. Schade, dass er so weit weg bis Stockholm geflüchtet ist. Ich würde gern mal ein Bierchen mit ihm trinken. Vielleicht können wir jedoch mal einen Event starten, wo das A-Team vollständig vertreten ist. Ich werde versuchen, das irgendwann in die Wege zu leiten. Das würde mich freuen.
 

Vereinbarungsgemäß treffen wir uns um 17.00 Uhr am Landcruiser. Bella hat, wie mir scheint, einkaufsmäßig ganz schön zugeschlagen. Dann geht`s zum Campingplatz. Da gibt es ein letztes Mal gute Steaks und Garnelen, zubereitet von Daniel und Gogo in Co-Produktion.

Die abendliche Zusammenkunft im Küchenbau des Campingplatzes besteht heute aus Friede, Freude und Eierkuchen. Gegenseitige Lobeshymnen und Streicheleinheiten.

Toni bekommt zum Abschied vom A-Team ein Sponsoring für den Flug zum Ayers Rock. Er ist happy!

Worüber ich mich auch ganz besonders gefreut habe ist, dass ich ein Jahres-Abo der Zeitschrift Motorrad geschenkt bekam. Ich werde allerdings nicht müde werden, einem in Aussicht gestellten T-Shirt mit gleichnamigem Logo hinterher zueilen. Im Anschluss gibt es noch für den Insider-Kreis die üblichen Leckereien, die Geister enthalten.


ENDE DER REISE UND RÜCKKEHR NACH DEUTSCHLAND

Sonntag 12.12

It´s all over now!
Man zerstreut sich in alle Richtungen. Ein paar Teilnehmer machen noch einen kurzen Abstecher nach Sidney. Die anderen treten direkt den Heimflug an. Schade!!!

Für Toni, Gogo und mich wartet in Melton noch jede Menge Arbeit. Mopeds reparieren, reinigen, an- ab- ummontieren verschiedener Teile. Autos saubermachen und polieren und vieles andere.

Seht genau hin! Obwohl Toni derart beflissen gearbeitet hat und bei seiner Arbeit stets mindestens drei Augen benutzte, hat ihn Gogo regelmäßig aber so etwas von zusammengeschissen.

So vergehen die letzten drei Tage auch noch in Windeseile. Die abendlichen Mahlzeiten lassen sich kurz definieren: feine Steaks, Meeresfrüchte und leckere Salate sowie Beilagen. Toni hat sich entschieden, zu Weihnachten zu seiner neuen Flamme an den Ayers Rock zu fliegen.


Mittwoch 15.12.

Toni hilft mir beim Einladen und bringt mich dann mit dem Toyota zum Airport. Hier beginnt der übliche Quatsch wie bei fast jeder Fernreise. Die Grenzbereiche vor den Countern der Fluggesellschaften sind nicht klar abgegrenzt. So werde ich von einem Sicherheitsfuzzi der Quantas in die falsche Reihe eingewiesen. Das bedeutet für mich, dass ich über eine Stunde in der falschen Schlange stehe, bis ich von selbst feststelle, dass dies nicht mehr stimmen kann. Na ja, ich war dann eher bei den Letzten, als bei den Ersten, die abgefertigt wurden. Das führt bei mir zu der Erkenntnis, dass eine Uniform-Fummel nicht unbedingt einen hohen IQ der tragenden Person voraussetzt.

Beim Flug über den Kontinent bis hin zum indischen Festland herrschen haarsträubende Witterungsverhältnisse, so dass wir stundenlang angeschnallt sein müssen. Essen und Trinken ist weitestgehend Fehlanzeige. In Dubai kommt dann der übliche, langweilige viereinhalbstündige Aufenthalt.

Ein kleines Bonbon gibt es schließlich doch noch kurz nach dem Start.

Der Flieger schwenkt im richtigen Augenblick nach rechts, weshalb ich in den Genuss komme, die mittlerweile weltbekannte künstliche Insel in Form einer Palme - direkt vor der Küste von Dubai, betrachten zu können.

Da mir das Glück nicht grenzenlos hold ist, gelingt es mir nicht, das Objekt der Begierde adäquat auf meiner erst in Australien erworbenen Digitalkamera festzuhalten. So habe ich aufgrund eines mittlerweile aufgetretenen Fehlers im Zoom ein eher blasses Bild der schönen Insel mit nach Hause gebracht.  

Hier die künstlich angelegte Insel, bestehend aus  Hotels und Touristik-Betrieben.

Der Flug nach Frankfurt ist nur noch Makulatur. Wenige Stunden über Bahrein, Oman, Syrien und die Türkei dauert der letzte Abschnitt bis nach Europa. Bevor ich in Frankfurt lande, denke ich nochmals über die erlebnisreiche und hochinteressante Reise nach.

Hier das ganz kurze Fazit:
Es ist mir nachhaltig bewusst geworden, dass der bereits erkennbar fortschreitende Klimawandel in Australien diesmal sehr eindrucksvoll ins Gedächtnis gerückt ist. Die blühenden Wüsten, die veränderten Temperaturen seit vor zehn Jahren sowie die vor dem Abflug hereinbrechenden Jahrtausendüberschwemmungen in Queensland sollten zum Nachdenken anregen. Die Natur scheint jetzt immer häufiger zurückzuschlagen. Das Erfreuliche war, dass die Menschen sehr ähnlich waren wie bei meiner ersten Reise vor zehn Jahren nach Australien. Eben lauter Individualisten mit immer gleichbleibenden  oder auch wechselnden Animositäten.

Die Landung in Frankfurt bringt mich im wahrsten Sinne des Wortes auf den Boden der deutschen Tatsachen zurück. Es kommt sofort Hektik auf, da ich am Auskunftsschalter der DB dass der Zug nach Nürnberg in 12 Minuten geht. Ich verlasse geradezu panikartig die Halle in Richtung Bahnsteig. Hier ist der ICE laut Anzeigeschild pünktlich angekündigt. Kaum habe ich am Bahnsteig meine Position eingenommen, erfolgt die Durchsage, dass der Zug mindestens 45 Minuten später da sein wird.

Ich haste mit meinem Gepäck nach oben zur Halle, um Kleingeld zu bekommen für das Münztelefon. Ich kaufe mir also eine Weißwurst und ein Weißbier am Kiosk, da die Dame an der Kasse nicht gewillt war, mir zu wechseln. Für mich war der Betrag von 10.20 € wie ein Segen. Nun musste ich genügend Rückgeld  zum Telefonieren bekommen. Mein Handy hatte nämlich die deutschen Verhältnisse nicht mehr akzeptiert und mitgeteilt, die Simkarte sei ungültig. Ich schütte also die Hälfte des Bieres in meinen langsam schwellenden Hals und würge dabei  die ungepellte  Weißwurst hinterher. Dann schnell zum Münztelefon – Peter anrufen, der mich vom Bahnhof in Nürnberg abholen wird. Dann mit dem ganzen Gepäck wieder runter zum Bahnsteig. Jetzt kommt´s noch dicker. Der Zug ist von der Anzeigetafel verschwunden und ein anderer, aus Ansbach kommend wird für eineinhalbstunden später angezeigt.

Ich spreche einen der drei aufgeregt hin- und herlaufenden Bahnbeamten an, was denn los sei und wo mein Zug denn jetzt wegfahren werde.

„Da müssen Sie schon selbst schauen!“ Der zweite Blaugekleidete fegt mich aufgeregt an: „Gehen Sie sofort weg von hier, gehen Sie wieder nach oben!“ An der Rolltreppe steht ein weiterer und herrscht mich an: „Laufen Sie sofort in diese Richtung weg!“ Er deutet dabei dahin, wo ich gerade herkam. Verwirrt stelle ich fest, dass die blauen Männchen mit den roten Mützen immer mehr werden. Drei davon stehen um einen herrenlosen Koffer im Abstand von ca. einem Meter herum. Zwischenzeitlich höre ich sich ständig widersprechende Durchsagen bezüglich Ankunft und Abfahrt meines ICE. Die Situation verrät mir, dass das ein Bombenalarm wegen des Herrenlosen Koffers sein muss, vor den sich die Herren nun schützend gestellt haben. Wäre ich den Anweisungen der Bläulinge gefolgt, wer weiß, wo ich gelandet wäre. Auf jeden Fall nicht in Sicherheit. So muss ich stur und unfolgsam zwei von den Bahnmenschen zur Seite schieben, um dann fluchtartig über die Treppe nach oben zu gelangen. Hier werden die Karten neu gemischt. Nach hartnäckigem Fragen kann ich in Erfahrung bringen, dass der Zug nun zwei Bahnsteige weiter einfahren soll – mit entsprechender Verspätung – es beginnt zu schneien.

Endlich kann ich schweißdurchtränkt den Zug besteigen, dessen Zugschild noch auf einen ganz anderen ICE hinweist. Na gut, dieses Mal hat mir der Schaffner am neu zugeteilten Bahnsteig allerdings eine verbindliche und richtige Auskunft, entgegen lautend der Lautsprecheransagen, gegeben und ich kann endlich den glücklicherweise noch nicht reservierten Platz im ersten Abteil einnehmen. Den Gesprächen der Reisenden aus der Region kann ich entnehmen, dass augenblicklich über Frankfurt ein Schneechaos, wie vor einigen Tagen schon einmal geschehen, hereinbrechen soll. Das sollte sich bewahrheiten.

Die Ankunft in Nürnberg am Hbf Nürnberg erfolgt etwa nach mehr als zwei Stunden, wo mein zuverlässiger Motorradfreund Peter bereits hingeeilt ist. Er bekam die Ankunftszeit über einige Ecken durch andere Motorradfreunde mitgeteilt, die im Internet recherchiert hatten. Es war übrigens der letzte Zug aus Frankfurt. Dann brach das Chaos, wie angekündigt dort herein. Bahnmäßig lief dann tagelang fast nichts mehr.

Auf dem 25 km langen Weg nach Pyrbaum fahren wir an einer endlosen meterhohen, weißen Mauer entlang. Es ist gefräster Schnee!

Die nächste Überraschung kommt am nächsten Morgen. Neuschnee – na sowas! Und das nicht zu knapp.

So hat es nach meiner Ankunft am 16.12.2010 (ca. 19.00 Uhr) bei mir Zuhause ausgesehen.
Das Bild entstand am 17.12.

 


Arno